Rampensau 2026: Protokoll des Leidens

Rampensau 2026: Protokoll des Leidens

Aufgezeichnet von einer stillen Beobachterin. 

Der 26. September 2026 hätte kaum besser beginnen können. 6:30 Uhr: Die Sonne scheint – wie gefühlt an den vergangenen 300 Tagen dieses Jahres -, der Orga-Chat quillt über vor Kaffeebildern anderer Frühaufsteher, die bestellten neuen Rampensau-Caps verlassen gerade Deutschland in Richtung eines anderen EU-Staates, und Jorge ist eine halbe Stunde zu früh. Egal: Kaffeebild in den Chat posten und dann nichts wie los – mit dem voll beladenen Sprinter Richtung Odenthal. Denn dort wartet endlich wieder die Rampensau-Challenge auf uns!

Es gibt ja Menschen, die ihren Samstagvormittag mit Brötchen, Kaffee und – je nach Alter – TikTok oder Facebook verbringen. Und dann gibt es Rampensäue. Die stehen lieber ab 9 Uhr an der Startnummernausgabe, klicken sich in die Pedale und jagen allein eine typisch schlechte Straße im Kölner Umland hinauf, als ginge es um den letzten Platz im Bällebad. Denn am Ende winkt der ehrenvollste Titel, den das Bergische Land – wenn nicht ganz NRW oder sogar Deutschland – zu vergeben hat: „Rampensau 2026“.

Das Konzept ist einfach, aber genial: Vom Start am Hebborner Hof geht es einzeln von unten nach oben, direkt zur Kaffeebude AFFEMIA. Dazwischen liegt die 1,04 km lange Strecke, die im Schnitt 5,6% Steigung besitzt und darüber hinaus eine beeindruckende Sammlung unterschiedlichster Asphaltbeläge präsentiert, die das Bauamt Odenthal in den letzten Jahren offenbar nicht verkommen lassen wollte. Knapp 120 Starter*innen stellten sich in diesem Jahr der Rampe – das waren 240 Beine und 600 Gesichtsausdrücke des Leidens.

Gemeinsam mit anderen Streckenrand-Enthusiastinnen und einer Auswahl ausgewählter Krachinstrumente positioniere ich mich entlang der Strecke und kann aus nächster Nähe beobachten, wie sich die Mimik der FahrerInnen verschiebt. Die Strecke ist fies: Sie beginnt steil und wird anschließend etwas flacher. Doch spätestens dort haben die meisten schon alles verballert. Dann kommen sie aus dem Wald, fahren um die Kurve und sehen, wie weit es noch ist – und dass am Ende eine besonders gemeine Rampe wartet. Aber genau da kommen wir ins Spiel: die Anfeuernden am Streckenrand. „Das Quietschen kommt doch vom Fahrrad, oder?“, „Sehr gut – die Rampe spürt dich kaum!“, „Immer weiter – umkehren wäre jetzt auch peinlich!” und „Sieht langsam aus, ist aber bestimmt taktisch“ gehören zu den gern gehörten Zurufen, die ganz bestimmt das Letzte aus den Fahrer*Innen rausholen. Viele können immerhin noch lächeln.

Am Ende kamen alle 240 Beine oben an. Manche schneller, manche langsamer. Und bei einer Fahrerin waren wir mit der Zeitmessung derart großzügig, dass die Uhr erst nach über einer Stunde angehalten wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die obligatorische After-Rampen-Waffel bei Thorsten bereits erfolgreich vernichtet. Sorry dafür! Aber Hand aufs Herz: Dabei sein ist schließlich alles.

Doch während einige vor allem für den Spaß, die Waffeln oder die persönliche Grenzerfahrung gekommen waren, gab es auch jene, die ein anderes Ziel vor Augen hatten: möglichst schnell oben ankommen. Tusch, Konfetti, Quieken – das waren die schnellsten Rampensäue des Jahres 2026:

Kategorie Name Verein Nettozeit (min) 
Divers Lio Schröder Cyclits Cycling Collective 02:36 
Marls Reiners FC St. Pauli Radsport 03:20 
Männliche Jugend U15 Bosse Vollmer Scuderia Südstadt 02:58 
Weibliche Jugend U19 Felicitas Luncz – 03:47 
Klara Gojdenko MTB Rheinberg 04:19 
Maria Brand – 05:53 
Männliche Jugend U19   Felix Berg Cycling Club Düsseldorf 02:19 
Tom Vogt Velo Solingen 02:32 
Friedrich Trzeciak Scuderia Südstadt 02:38 
Frauen 19+ Kerstin Heitmann – 02:50 
Ayline Steffi Volk RTV 83 Lohmar e.V. 02:50 
Viola Trautwein Pulheimer SC 03:00 
Männer 19+   Justus Erler RV Komet Delia 09 e.V. 02:15 
Janek Rahtz Racing Team Cölle dasimmerdabei 04 e.V. 02:20 
Radpha El AVIA racing team 02:25 
Frauen 40+ Anna Bornemann – 03:19 
Sina Bakhtyar Cyclits Cycling Collective 03:29 
Claudia Witzig Racing Team Cölle dasimmerdabei 04 e.V. 04:07 
Männer 40+ Ben Martel – 02:27 
Peter Nürnberger SSF 02:29 
Tobias Hohagen Team Ice Cream Glove 02:34 
Männer 60+ Christof Kaschel Rhein-Alp-Express 02:52 
Gregor Jaeger Racing Team Cölle dasimmerdabei 04 e.V. 02:58 
Michael Stracke – 03:12 

Alle weiteren Ergebnisse wurden hier veröffentlicht.

Rennen für alle mit tollen Preisen

Nun aber zum wichtigsten Programmpunkt des Tages. Dem eigentlichen Grund, warum am Ende alle zur Rampensau kommen: dem Kids Race. Es ist gleichermaßen herzerwärmend und leicht beängstigend zu sehen, mit welchem Ehrgeiz die Nachwuchs-Athletinnen und -Athleten den Hindernisparcours und das anschließende Rennen absolvieren. Würden wir die Kinder nicht irgendwann von den Rädern holen, würden einige wahrscheinlich noch heute persönliche Rundenrekorde rund um das AFFEMIA aufstellen.

Nach dem Kidsrace, welches zusammen mit dem Kinderprogramm mit Parcours und Kinderschminken auch sehr gut von zahlreichen Anwohner*Innen angenommen wurde, eilten wir bereits zur Siegerehrung. Neben den obligatorischen Rampensau-Trophäen gab es weitere tolle Preise, die wir dank der großzügigen Unterstützung von RADFIEBER, CYCLEBEAN, SCHWALBE, KLETTERFABRIK und WEINPUNKT KÖLN vergeben konnten. Vielen Dank an euch und natürlich auch an Torsten und Team vom AFFEMIA für die hervorragende kulinarische Versorgung.

Bis nächstes Jahr!

Herzlichen Glückwunsch an alle Sieger*innen – und ein mindestens ebenso lautes Grunzen für die rund 120 Rampensäue, die sich den Berg hinaufgekämpft haben. Am Ende waren sich alle einig: Nächstes Jahr sehen wir uns wieder. Gleiche Rampe. Gleiche Schmerzen. Neue Bestzeiten. Und ganz sicher wieder zu viele Gesichtsausdrücke des Leidens!


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